Atemwegserkrankung bei Kälbern

Atemwegserkrankungen oder Lungenprobleme bei Kälbern werden durch einen Komplex von Faktoren verursacht, die auch als Kälbergrippe bezeichnet werden. Dabei spielen sowohl externe Faktoren (Stallklima) als auch Mikroorganismen (Viren und Bakterien) eine Rolle.

Ursache
Mehrere Faktoren beeinflussen den Ausbruch und die Ausbreitung von Atemwegserkrankungen:

  • Stallklima (Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Luftgeschwindigkeit und Ammoniak)
  • Abwehr der Kälber (Schutz bekommen  über ausreichend hochwertiges Kolostrum, Stress, nicht optimale Ernährung)
  • Allgemeiner Infektionsdruck durch Viren und Bakterien

Die Hauptursachen, die allein oder in Kombination eine Rolle spielen können, sind:
Viren:

  • Adeno Viren
  • Reoviere Viren
  • Toro Viren
  • Corona Viren
  • Para Influenza Viren (PI3)
  • Bovine Respiratory Syncytial Virus (BRS) = siehe Atemwegserkrankung aufgrund von Grippe
  • Infektiöse Rinder-Rhinotracheitis (IBR) = siehe Atemwegserkrankung aufgrund von IBR
  • Bovine Virusdiarrhoe (BVD) = siehe Atemwegserkrankung aufgrund von BVD.

Viren sind die Hauptursache, die für Folgeinfektionen durch Bakterien den Weg ebnen. 

Bakterien:

  • Mannheimia haemolytica; (MHA) und Pasteurella Multocida (PMU) =Atemwegserkrankung aufgrund von Pasteurella
  • Actinomyces pyogenes
  • Haemophilus somnus
  • Salmonella dublin 

Mycoplasma:

  • Mycoplasma bovis 
  • Mycoplasma mycoides
  • Mycoplasma bovirhinis
  • Mycoplasm dispar

Beschreibung
Die Verursacher von Atemwegserkrankungen bei Kälbern können direkt (von Tier zu Tier) und indirekt (z.B. über Luft, Hände und Kleidung) übertragen werden.

Die Krankheit wird  üblicherweise beobachtet, wenn das durch das Kolostrum erhaltene passive Immunsystem im Alter zwischen 4 und 8 Wochen abnimmt. Ein großer Teil der  Tiere kann in kurzer Zeit betroffen sein. Die Symptome können leicht bis sehr schwer sein. Die folgenden Phänomene können beobachtet werden:

  • Verringerter Appetit und langsames Trinken.
  • Die Herde ist ruhig und die Kälber sind lethargisch.

Einzelne Tiere:

  • Reduzierter Appetit (das Kalb trinkt normalerweise, lässt aber zuerst Raufutter stehen)
  • Fieber steigt auf 40 - 41 C (schwitzen)
  • Nasenausfluss
  • Schiefhaltung Kopf
  • Hängende Ohren
  • Klebriger Speichel aus dem Mund und den Nasenlöchern
  •  Tränende Augen
  • Beschleunigte  Atmung und Husten
  • In schweren Fällen, schwere Pumpatmung mit "Bauchschlag"
  • Sterblichkeit

Der Krankheitsverlauf des Kalbes dauert oft länger als eine Woche. Husten kann als Beschwerde oft länger dauern. Langfristige Lungenschäden können bei einigen betroffenen Kälbern auftreten. Stark  krampfende Kälber wachsen aufgrund einer dauerhaften Schädigung des Lungengewebes langsamer und teilweise gar nicht mehr.

Behandlung
Insbesondere die Anzahl der kranken Kälber und das Tempo, mit der die Krankheit durch den  Betrieb geht,  legt die Art  der Behandlung des Bestandes mit Antibiotika, zur Bekämpfung der pathogenen Keime (in der Regel Pasteurella Spp und Mykoplasmen) fest. Die Einstellung der Ration und die Optimierung des Stallklimas sind in solchen Phasen von großer Bedeutung. 

Um wirtschaftliche Verluste durch Ausfälle zu begrenzen, sind  zusätzliche Überwachungsmaßnahmen erforderlich, um schnell individuell eingreifen zu können. Dies bedeutet, dass die Kälber mehrmals am Tag kontrolliert werden müssen. Dabei kann das Klima im Stall immer wieder neu eingeschätzt und wenn notwendig  angepasst werden. 

Einzelne  Tiere mit schweren Atemwegsproblemen sollten ausreichend lange behandelt werden. Um die zusätzlichen Symptome zu lindern, ist die sofortige Anwendung eines Schmerzmittels / Fieber- Senkers, oder zu einem späteren Zeitpunkt in chronischen Fällen eine Injektion von Antiphlogistika, dringend zu empfehlen. 

Bei "festsitzendem Husten" können schleimlösende Mittel (Bromhexin 2,5% für 3 Tage in der Milch, Bisolvon Injektion) Milderung schaffen. 

Antibiotika und weitere Medikamente, die verwendet werden, müssen mit Ihrem Tierarzt abgestimmt werden.