Blauzungenkrankheit bei Kälbern
Die Blauzungenkrankheit ist eine durch einen Virus verursachte Krankheit.
Ursache
Schaf- und Kuhkrankheit
Die Blauzungenkrankheit (BTV) ist eine durch ein Virus verursachte Krankheit. Obwohl alle Wiederkäuer Träger dieses Erregers sein können, sind sie nicht alle gleichermaßen krank. Aus südeuropäischen Ländern ist bekannt, dass besonders Schafe sehr empfänglich für das Virus sind und häufig sogar sterben können. Das ist bei etwa 10 bis 30 Prozent der kranken Tiere der Fall. Die Sterblichkeit ist nicht sehr akut. Es dauert mindestens acht Tage, bis ein krankes Tier dem Virus bei schweren Verläufen erliegt. Mittlerweile ist bekannt, dass Kühe zumeist leicht erkranken (bei neueren Ausbrüchen BTV4 in 2024), jedoch teils auchschwere Verläufe erleiden. Die Letalität bei Kühen ist aber deutlich geringer als bei kleinen Wiederkäuern.
Viele Tiere, die schwerer erkrankt sind, brauchen eine lange Zeit der Erholung. Es kann Wochen oder sogar Monate dauern. Tiere, die schwere Verläufe überleben, leiden unter einer dauerhaften Stagnation der Milchleistung und verminderten Fruchtbarkeit. Das Virus ist bei Tieren mehrere Monate lang im Blut nachweisbar.
Beschreibung
Symptome der Blauzungenkrankheit
Die auffälligsten Anzeichen der Blauzungenkrankheit sind:
- Fieber
- entzündete Schleimhäute
- Abbau der Mundschleimhaut
- sabbern und schnauben
- verringerter Appetit mit daraus resultierender Abmagerung
- blutige und entzündete Kronenränder, wodurch die Tiere lahmen
- Schwierigkeiten beim Atmen
- Aborte
- dicke, blaue Zunge
Die Krankheit verdankt ihren Namen dem zuletzt genannten Phänomen.
Übrigens kann die Blauzungenkrankheit leicht mit anderen Krankheiten verwechselt werden. Tiere mit einer Maul- und Klauenseuche zeigen häufig ähnliche Symptome. Über Bluttests erhält man eindeutige Ergebnisse für die Diagnose. Die blaue Verfärbung der Zunge kommt durch den krankheitsbedingten Sauerstoffmangel. Dieses Phänomen wird offiziell als Zyanose bezeichnet. Proteine, die normalerweise die Sauerstoffversorgung im Blut gewährleisten, werden vom Virus angegriffen. Das erklärt zudem die Atemprobleme, die häufig bei der akuten Blauzungenkrankheit auftreten.
Die beschrieben Krankheitssymptome treten nicht in jedem Fall auf. Die Blauzungenkrankheit kann auch subklinisch sein. Das Tier ist dann infiziert, zeigt aber keine Krankheitssymptome. Bei Schafen ist dies selten der Fall, bei anderen, insbesondere großen Wiederkäuern tritt die subklinische Form häufiger auf.
Der Überträger: die Gnitze
Die Blauzungenkrankheit ist eine Viruserkrankung, die von kleinen Insekten (Gnitzen/Mücken) übertragen wird. Diese leben in Mooren und Feuchtwiesen. Die Ausbreitung wird durch feuchtwarme Witterung und Wind begünstigt.
Behandlung
Inkubationszeit bis zu 20 Tagen
Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Infektion und dem Auftreten von Symptomen, liegt zwischen 5 und 20 Tagen. Die Krankheit ist eine sogenannte Vektorkrankheit, was bedeutet, dass das Virus für seineVerteilung abhängig von Insekten ist.
Bei der Blauzungenkrankheit erfolgt die Ausbreitung speziell über stechende Insekten. Es gibt Hinweise darauf, dass eine Kontamination auch über Sperma und Embryonen erfolgen kann, was aber noch nicht klar erwiesen ist. Ungeborene Embryonen können sich über ihre Mutter infizieren und so während der Trächtigkeit kontaminiert werden. Das Virus könnte auch über Bluttransfusionen übertragen werden.
Antibiotika helfen nicht
Tiere mit Blauzungenkrankheit können nicht mit Antibiotika behandelt werden. Das ist nicht spezifisch für die Blauzungenkrankheit, denn Viruserkrankungen können im Allgemeinen nicht antibiotisch behandelt werden. Der Grund, warum Antibiotika für virale Infektionen verschrieben werden, ist, weil häufig durch Bakterien Begleitinfektionen ausgelöst werden. Die ursprügliche Virusinfektion verursacht eine verringerte Widerstandsfähigkeit,, sodass Bakterien die Chance haben u. a. bereits geschwächte Schleimhäute und Organe zu befallen. Die so entstehenden Sekundärinfektionen können mit Antibiotika bekämpft und verhindert werden.
Vorbeugung vor schweren Krankheitsverläufen bieten Impfungen. Leider helfen die Impfungen immer nur für einen bestimmten Serotyp.
Eine weitere Risikominderung kann das gute Durchlüften der Ställen sein, damit durch die Luftbewegungen möglichst wenige Gnitzen in den Stall eindringen können.
Das Testen von Wiederkäuern, ob sie das Virus haben, wird serologisch durchgeführt (Bluttest). Der Test ist zweiteilig: Ein Teil ist ein sogenannter PCR-Test, der das Virus selbst erkennt. Der andere Teil des Tests ist ein ELISA, der Antikörper gegen das Virus zeigt.